Liebe Freundinnen und Freunde des deutsch-französischen Kulturaustauschs,

Kultur wird durch Sprache vermittelt. Das ist in Frankreich selbstverständlich, in Deutschland mittlerweile nicht mehr unbedingt. So wird in deutschen Philosophen-Kreisen ernsthaft darüber diskutiert, wissenschaftliche Publikationen in Zukunft nur noch auf Englisch zu veröffentlichen.

Wir setzen uns für den deutsch-französischen Kulturaustausch ein und das heißt,  dass in unseren Veranstaltungen Deutsch und Französisch gesprochen wird.

Da allerdings viele Menschen, auch solche, die sich für Frankreich interessieren, wenig Französisch können oder - vielleicht eher - ihren Französischkenntnissen nicht trauen, bemühen wir uns, gute Übersetzungen anzubieten. Das beginnt mit der Gewinnung hervorragender Übersetzerinnen und Übersetzer und hört bei der Miete aufwendiger Anlagen zur Simultanübertragung und zur Projektion von Übertiteln nicht auf. Außerdem fertigen wir auch adäquate Übersetzungen für unsere künstlerischen Veranstaltungen an.

Trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass französischsprachige Veranstaltungen für viele Menschen eine Hemmschwelle bedeuten.

Wir wollen uns aber nicht entmutigen lassen und möchten Sie bitten, uns zu unterstützen:

Trauen Sie sich einfach, eine Performance zu besuchen, ein Theaterstück, eine Diskussion, in denen Französisch gesprochen wird. Bringen Sie Verwandte und Freunde mit und helfen Sie ihnen bei Verständigungsproblemen.  

Das Eintauchen in eine fremde Sprache schafft den direkten Kontakt zu einer anderen Kultur. Das ist eine wunderbare Erfahrung, auch wenn man nicht jedes Wort und jeden Satz versteht. Und wie beschrieben bemühen wir uns mit großem Aufwand, Sprachbarrieren zu überbrücken, wo immer wir können.

 

Im Sommer haben wir zwei Veranstaltungen zur deutsch-französischen Geschichte im Kulturzentrum Merlin präsentiert, die eine auf Französisch, die andere auf Deutsch:

Simone Rist, Schauspielerin, Regisseurin, Autorin und Vorsitzende unseres Vereins, hat ihre Performance „Die zwei Agathen – Hass und Widerstand“ auf Französisch gesprochen. Dazu gab es eine Übersetzung über Kopfhörer von Barbara Mors-Stammler, gesprochen von der Stuttgarter Schauspielerin Dagmar Claus.

Die 11-jährige Agathe erlebt die deutsche Besatzung Frankreichs im 2. Weltkrieg in Chambon sur Lignon, einem kleinen Ort im Zentralmassiv. Dort werden mit tatkräftiger Unterstützung der ganzen Bevölkerung viele Juden versteckt und vor der Verfolgung durch SS und Gestapo gerettet.

Agathes Vater ist Mitglied der französischen Résistance und wird am Tag der Befreiung von der deutschen Besatzungsmacht erschossen. Agathe wird von wildem Hass überwältigt. 70 Jahre später begegnet sie der alten Dame, die sie inzwischen geworden ist. In der Welt breitet sich erneut eine Welle des zerstörerischen Hasses aus, und die junge und die alte Agathe treten in einen bemerkenswerten Dialog, in dem sich Fragen des Gestern und Heute verbinden.

Nicht zuletzt durch die französische Sprache entstand am 28. Juni im Kulturzentrum Merlin eine sehr authentische, dichte und berührende Stimmung.

Simone Rist wird „Die zwei Agathen“ Anfang des nächsten Jahres noch einmal in Stuttgart auf Französisch aufführen, dann vor Schülern des deutsch-französischen Wagenburg-Gymnasiums.

 

Drei Tage nach der Performance stand Simone Rist den Besuchern unseres Salons im Gespräch mit dem Journalisten Peter Hölzle Rede und Antwort. Das Thema hieß „Den politischen Hass überwinden, das Beispiel Frankreich – Deutschland“. Die lebendige Diskussion wurde auf Deutsch geführt. In ihrem Verlauf schälte sich heraus, dass es nicht einfach ist, gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Unterdrückung zu kämpfen, ohne selbst hart und hasserfüllt zu werden. Aber Simone Rists Geschichte machte Mut. Sie hat es geschafft, den Hass zu überwinden, hat lange in Deutschland gelebt und einen Deutschen lieben gelernt und ihn geheiratet.

 

Auch im Oktober bringen wir zwei Veranstaltungen, die erste auf Französisch, die zweite auf Deutsch.

 Am 28. Oktober 2018 jährt sich der Geburtstag des russischen Schriftstellers Iwan Turgeniew zum 200. Mal. Aus diesem Anlass präsentieren wir in Kooperation mit Champs Mêlés/Compagnie Simone Rist im Rahmen der französischen Wochen eine dramatische Fantasie von Simone Rist. Es wird Französisch gesprochen mit deutschen Übertiteln

 Tschechow und Turgeniew - Eine Begegnung im Jenseits

Dienstag 9. Oktober, 20:30 Uhr im KULTURWERK, Stuttgart-Ost www.kulturwerk.de, auf Französisch, mit deutschen Texten übertitelt

Turgeniew war ein europäischer Humanist. Er stammte aus Russland und lebte vor allem in Frankreich, aber auch lange Zeit in Deutschland, in Baden-Baden. Dort wohnte er neben dem Haus seiner Freundin, der Sängerin und Komponistin Pauline Viardot. Sie war 1863 von Paris nach Baden-Baden gezogen und hatte wesentlich dazu beigetragen, dass die Stadt damals ein kulturelles Zentrum war und „Sommer-Paris“ genannt wurde.

Simone Rists Stück „Tschechow und Turgenjew“ beschreibt ein fiktionales Treffen von Turgenjew mit dem viel jüngeren, berühmteren Anton Tschechow; in Wirklichkeit sind sich die beiden nie begegnet.

 

Am 14. Oktober 2018 laden wir wieder zu unserem Deutsch-Französischen Salon ein, ins Café Merlin in der Augustenstrasse 72 im Stuttgarter Westen:

 

Nouvelles du Front - Deutsche und französische Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg

 

Im Rahmen der französischen Wochen stellt Cathérine Gebhardt-Bernot französische Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg mit deutscher Übersetzung vor und zeigt historische Fotos.

Nach der Präsentation hat das Publikum das Wort. Gespräche untereinander und mit Cathérine Gebhardt-Bernot stehen im Vordergrund.