Veranstaltungen

Von Barbara Mors

Veranstaltungsreihe
Soziale Republik versus Soziale Marktwirtschaft ?...
Ein Duell Frankreich-Deutschland

im Januar 2017

 

Bisher hat sich der Verein hauptsächlich den literarischen und musikalischen Seiten der Kultur gewidmet und dadurch unvergessliche Veranstaltungen auf den Weg gebracht.

Auch dieses Mal ist der Ausgangspunkt ein Theaterstück, doch ganz aktueller Natur. „Auf Leben und Tod – A la vie, à la mort“ von Simone Rist handelt vom  Wachkoma und der Situation in einer Intensivstation. Dieses Stück stieß auf große Resonanz in Paris und in Avignon, daher beschloss der Verein, das Stück in Deutsch zu übertragen und einem deutschen Publikum zu präsentieren.  (Medienecho hier)

Getreu dem Namen unseres Vereins beschloss dieser eine Einbettung des Theaterstücks in die deutsch-französischen Beziehungen. Die Veranstaltungsreihe über die Sozialsysteme in Frankreich und Deutschland beleuchtete die Unterschiede der beiden Länder: Eine Veranstaltung zeigte die Verwurzelung in der historischen Entwicklung auf: in Frankreich die tiefe Verankerung der Rolle des Staates im Hinblick auf die soziale Fürsorge, wohingegen in Deutschland der Liberalismus auf Eigeninitiative setzt.

In einem Filmnachmittag folgte das Publikum gespannt einer Dokumentation, in der dargestellt wurde, wie Mercedes-Benz durch Werkverträge Löhne gedrückt hat. In einem zweiten Film wurde der Niedergang der bedeutenden Industriezentren Nordfrankreichs dargestellt, der an die Situation im Ruhrgebiet denken ließ. Die beiden Filmemacher waren da und beantworteten die Fragen des Publikums.

Ein besonders eindrücklicher Abend war der Vergleich der Krankenhauspflege, und die Zeit reichte nicht, die vielen Fragen des Publikums aufzugreifen. Die Probleme in den Krankenhäusern ähneln sich, wobei in Frankreich die Lage nicht so angespannt ist wie in Deutschland. Es entstand der Eindruck, dass das Pflegepersonal in Frankreich eine höhere Wertschätzung erfährt als bei uns.

Insgesamt wurde deutlich, dass die Durchrationalisierung des Gesundheitswesens in Frankreich nicht so weit fortgeschritten ist wie in Deutschland, was dazu führt, dass sich bei uns eine gewisse Kälte in der Pflege breit macht.

Um dem Publikum am Ende der Reihe einen unterhaltsamen Abschluss zu bieten, wurden die Band Zweierpasch aus Freiburg und Straßburg und der äußerst lebendige Dichter und Slammer Mathias Marras aus Bordeaux eingeladen. Die Inhalte beider Darbietungen waren witzig, aber auch hintergründig. Besonders wurde angeprangert die Ungleichheit in Frankreich und Deutschland - die fracture sociale -, eine ausgesprochen skandalöse Entwicklung in beiden Ländern.

 Das Wagnis, einmal den Begriff „Kultur“ ganz weit auszulegen, fand ausgesprochen regen Zulauf, sodass daraus alles in allem ein ermutigendes  verlängertes Wochenende mit interessanten Erkenntnissen entstand.

Felix & Till Neumann, Mathias Montoy

Deutsch-französischer Rap und Poetry Slam

Rosenau - Lokalität & Bühne
Rotebühlstr. 109b, Stuttgart-West

Sonntag 15. Januar  20 Uhr
Saalöffnung und Bewirtung ab 18.00 Uhr
Vorverkauf: 8 € zzgl. Gebühren
Abendkasse: 12.00 € ermäßigt 9.00 € inkl. Gebühren

 
Zweierpasch, das deutsche HipHop-Duo aus Freiburg,

Bild Weierpasch

zusammen mit dem französischen Slamer Maras aus Bordeaux

bringen deutsche und französische Texte und Lieder zu Gesundheit und Krankheit, Armut und Reichtum auf die Bühne - schnell, kritisch mit Witz, manchmal auch hinterhältig oder böse.

Table ronde – Podiumsdiskussion

So. 15. Januar 2017, 17:00 Uhr – Café
Kulturzentrum Merlin, Augustenstr. 72, Stuttgart-West
Eintritt frei

Während Deutschland die Rolle des europäischen Wirtschaftsmotors spielt, macht Frankreich gerade erst kleine Schritte aus der Krise. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit noch hoch, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit,  was besonders schmerzlich ist, und auch gefährlich werden kann.
Offenbar orientiert sich der französische Präsident François Hollande an der deutschen Agenda 2010, um die französische Wirtschaft anzukurbeln. Das heißt Abbau sozialer Leistungen, Lockerung des Kündigungsschutzes, Erosion der 35-Stunden-Woche und Ermöglichung prekärer Arbeitsverhältnisse.

In der Podiumsdiskussion wird es unter anderem darum gehen, welche Erfahrungen Deutschland mit dieser Politik gemacht hat, und ob es für Frankreich der richtige Weg ist, die Agenda 2010 nachzuvollziehen.
Auf dem Podium sind:

René LasserreProf. René Lasserre: Politologe und von 1999 bis 2004 Präsident der Universität von Cergy-Pontoise, Direktor des CIRAC - Centre d’Information et de Recherche sur l’Allemagne Contemporaine

 

Guillaume DuvalGuillaume Duval: Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Alternatives Economiques“. Autor des Buches „Made in Germany – das deutsche Modell ohne Mythen“

Dominik Grillmayer Dominik Grillmayer: Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg

Uwe MeinhardtUwe Meinhardt: 1. Bevollmächtigter der IG-Metall Stuttgart

Filmabend mit zwei Filmen
Die beiden Filmemacher werden anwesend sein und beantworten nach der Vorführung die Fragen des Publikums

Freitag, 13. Januar 2017, 17:00 Uhr – Café
Kulturzentrum Merlin, Augustenstr. 72, Stuttgart-West
Eintritt frei

Hungerlohn am Fließband
von Jürgen Rose
2013, 44 Minuten

Bild Hungerlohn am Fließband

Jürgen Rose zeigt in seiner Reportage über Leiharbeit bei Mercedes-Benz, wie der Konzern normale Arbeiten aufgeteilt hat, um die dadurch entstehenden Teilarbeiten in Form von Werkverträgen an Drittfirmen zu vergeben. Diese Firmen zahlten sehr viel geringere Löhne, als sie der Konzern hätte bezahlen müssen. Da Jürgen Rose seinen Film undercover gedreht hat, klagte Mercedes-Benz gegen den Südwestrundfunk, für den die Reportage produziert wurde. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die Klage zurückgewiesen, da der Film wichtig für die öffentliche Meinungsbildung sei.


Crise(s)

von Frédéric Touchard
2012, 52 Minuten

Bild Crise(s)

Frédéric Touchard beleuchtet in seiner Dokumentation, wie  die Krise in den industriellen Zentren Frankreichs, in Lothringen und in der Region von Calais, das Leben der Menschen verändert. Die sozialen Beziehungen zerfallen, der Paternalismus der Industriebosse des 19. Jahrhunderts wird durch den Liberalismus der internationalen Ökonomie ersetzt. Das führt dazu, dass viele traditionelle Werte der französischen Gesellschaft infrage gestellt werden, nicht zuletzt diejenigen der Arbeiterschaft.