Die  Idee,  einen Salon  als  Ort  der  Begegnungen  zu  gründen,  kam  mir  bei  der Fahrt  mit  der  Straßenbahn  und  der  damit  verbundenen  Beobachtung,  dass  die meisten Fahrgäste einen Kopfhörer aufhatten. Sie hatten wohl  keine Absicht, mit anderen  Mitreisenden  ins  Gespräch  kommen  zu  wollen,  denn  der  Zauberkasten Smartphone  schien  alle  sozialen  Bedürfnisse  zu  befriedigen.  Und  doch  scheint dieser Form der Konversation etwas zu fehlen, denn seit einigen Jahren erlebt der Salon geradezu eine Renaissance.
Er  ist  ein  Treffpunkt  von  kontaktsuchenden  Menschen,  die  Kommunikation  auf höherer  Ebene  schätzen  und  in  privater  Atmosphäre  bei  Speisen  und  Getränken die Kultur mitgestalten wollen.

Der Salon entstand im 17. Jahrhundert vor allem in Frankreich in einer Zeit, in der bereits die Adelsgesellschaft als einziger Mittelpunkt zu bröckeln begann. Die reich gewordene  Bourgeoisie schuf Orte der Begegnung, vor allem auf dem Gebiet der Literatur und der Geisteswissenschaften.
Sie  war  auf  der  Suche  nach  einer  eigenen  Kultur  als  Pendant  zu  einer  höfisch fixierten und im Luxus erstickenden Umgangsform.

Dann kam die Zeit der Aufklärung. Man las Montesquieu und Rousseau: der Salon wurde    Drehscheibe    der    philosophischen    und    politischen    Kultur    –    ein gesellschaftlicher   Treffpunkt   auf   europäischer   kosmopolitischer   Ebene   für Lesungen, Diskussionen und musikalische Veranstaltungen.
Der  Salon war eine  Erfindung  meist adliger Frauen,  die  neben der Gestaltung des privaten gastgebenden  Rahmens auch die  kulturellen Inhalte bestimmten. Bekannt sind  bis  heute  die  Salons  der  Mme.  de  Scudéry,  der  Mme.  Rambouillet  und  von Ninon de Lenclos.
Einen  tiefen Einblick in diese Welt findet man hundert Jahre  später im  Werk  von Marcel  Proust  bei  der  Beschreibung  des  Salons  der  Mme.  Verdurin  und  der  Welt der Guermantes.

Wir  sind  überzeugt,  dass  auch  in  der  digitalen  Welt  das  traditionelle  Miteinander nicht ausgelassen werden sollte.
Daher versuchen wir, einen Ort zu schaffen, an dem Altes und Neues in einer alten Form behandelt werden, und dem wir den Namen „Salon“ gegeben haben.


Barbara Mors-Stammler